Die SIE-3

hat eine interessante Geschichte - sie ist einer der letzten Holzflieger. Und anders als die bei Schleicher gebaute ASK 18, die eine K6e mit Stahlrohrrumpf und etwas längeren Flächen war, verbindet die SIE-3 die alte und neue Zeit vielleicht so perfekt wie sonst keine andere Konstruktion.
Siebert ist kein Unbekannter - damals nicht ( die Ka6 CR-Si wurde bei ihm gebaut), heute bekannt als Siebert - Luftfahrtbedarf.


Nachdem die Ka6 CR-Si auslief, verweigerte Schleicher eine Nachbaulizenz für die K6e. In der Folge entstand bei Siebert ein Holzflugzeug, das all die guten Eigenschaften hatte, die die Ka6 auszeichneten. Aber die Sie-3 war mehr: Kein Ka6 NACA Profil, sondern das moderne Wortmann FX61 wurde verwendet. Das Profil der ASK23, ASW15 und ASW17. Es sorgte für einen grossen Leistungszuwachs. Die Gleitzahl der SIE-3 liegt bei 1:34 und damit gleichauf mit ASK23. Deutlich besser als Schleichers ASK18. So verbindet sie die Ära der Holzflieger mit der GFK Zeit.
Siebert gestaltete den Rumpf sehr geräumig und stösst auch mit der Zuladung von fast 130 kg in eine ganz neue Dimension.Von den wenigen verbliebenen SIE-3 gehört nun eine zu uns.

Wir haben die SIE-3 im Spätsommer aus Litauen übernommen. Der erste Eindruck war schon, dass das Flugzeug einiges an Liebe brauchen wird bevor eine Verkehrszulassung in D in Frage kommt.

Es braucht neue Instrumente, Funk, Flarm, der Lack ist rissig, andere Hoheitkennzeichen u.v.m. All das soll hier dokumentiert werden.

10.12.2021

Der Rumpf wird in die Werkstatt gebracht und begutachtet. Der Lackzustand ist so schlecht, dass der Rumpf zumindest angeschliffen und überlackiert werden muss. Das soll zunächst an einer der schlechteren Lackstellen probiert werden. Im schlimmsten Fall muss komplett abgeschliffen, bespannt und lackiert werden. Das käme einer GÜ ziemlich nahe...

Beim Seitenruder ist das keine Frage mehr - die Bespannung muss runter.

09.12.2021

Demontage des Seitenruders. Die 3 Bolzen u Kronenmuttern werden durch Platzhalter ersetzt und kommen in den SIE-3 Koffer.

10.12.2021

Das Gewicht und das Rudermoment des SR wird vorab ermittelt - zum Vergleich mit danach.

Wägung nach Jacobs:

Die Formel ist M (Rudermoment) = P (gewogene Last am Randbogen) x r (Tiefe des Ruders)

M= 0,552 x 66 cm = 36,432 cm/kg = Rudermoment vor der Überholung

Das Gewicht des Ruders beträgt 2,363 kg

11.12.2021

Die Bespannung wird entfernt - der Stoff liess sich sehr leicht ablösen- nicht gut. Die Farbe bröselte beim Abziehen richtig heftig - auch nicht gut. Insofern wohl eine nötige Entscheidung, neu zu bespannen.

22.12.2021

Bespannt wird nach der Eich-Air Methode.

Die Arbeitsanweisung AR01-2019 und das Supplemental Type Certificate (STC) 10069697 Rev 1 der EASA regeln die Verarbeitung dieser neuen Methode. Weitere Erläuterungen dazu in der Technischen Mitteilung TM 005-18-Rev.03.

Nun also zu den Bespannarbeiten.

Jetzt wird zugemacht - Das Ceconite für die Oberseite wird an der Endleiste verklebt und über die Torsionsnase (etwas 3/4 ) gezogen.  Das Procedere ist immer das gleiche - noch einmal mit Klebelack vorstreichen, Gewebe auflegen, mit Verdünnung durchreiben.

Nach dem Trocknen wird mit der Heissluftpistole (230 Grad) grob gespannt. Die Falten rausgezogen, noch nicht verklebte Stellen durchgerieben, wieder Trocknen.   Die Oberseite ist soweit fertig, gebügelt wird aber erst kurz vor der Versiegelung.
Nun wird gedreht, dasselbe jetzt wie beschrieben auf der Unterseite.

30.12.2021

An der Stossstelle der Bespannung, mittig der Torsionsnase wird abschliessend ein breites Zackenband ( ¾ der Breite der TN) mit Klebelack aufgeklebt und durchgerieben.

So ist das Seitenruder nun sauber eingepackt und wartet auf die Lackierung.

Das Zackenband habe ich aus Bespannungsresten selber angefertigt, ist billiger und vor allem kann ich die Breite selber bestimmen. Hier bot sich ja ein konischer Zuschnitt an.

31.12.2021

Der Rumpf schaut, wie beschrieben auch nicht wirklich gut aus. Ein kleiner Test soll Klarheit bringen, wie fest der doch rissige Lack noch hält. Und wie tief die Risse reichen. Ist die Füllerschicht intakt?

Ich verwende dazu ein Stück Isolierband, das ich seitlich am Rumpf aufklebe und gut feststreiche. Kein Panzertape mit extremer Haftung, damit macht man auch guten Lack kaputt.

Der Klebstreifen wird wieder abgezogen und sollte möglichst keine Spuren hinterlassen.

Das Ergebnis ist verheerend. Nicht nur der Lack geht ab, sondern auch Teile des Füllers.

Somit kommt eine Lackreparatur nicht in Frage. Lack und Füller müssen vollständig runter und neu aufgebaut werden. Allerdings nicht mehr mit Füller, sondern mit dünnem Ceconite 104. Als Decklack wird dann ein DD-Lack verwendet.

Vor den Rumpfarbeiten werden aber noch die Pendel Höhenruder begutachtet. Mein Optimismus schwindet....

31.12.2021

Das fertige Seitenruder verschwindet erstmal im Hänger - heraus kommen die beiden (Pendel) höhenruder. Der Eindruck ist viel besser, aber die Bespannung ist rissig und eigenartig steif. Wenn man draufdrückt knackt und bricht der Lack. Viele Lackschichten sind da übereinander - gespritzt, gerollt, gestrichen. Und die Farbe blättert bereitwillig ab. Es tut mir ja echt leid, aber es geht so nicht. Auch die Höhenruder werden neu gemacht.

Das alte Gewicht wird zum späteren Vergleich ermittelt, ein Rudermoment zum Vergleichen brauchen wir beim Pendelruder nicht. Das ist aber auch logisch.

(Auszug aus Wikipedia)

03.01.2022

Die beiden Ruder werden gewogen. Hübsch schwer die guten Stücke.

Jetzt wird abgeledert oder "entspannt". Zwei Sachen fallen auf: Der Stoff hängt nur sehr lose auf dem Holz und (wie beim Seitenruder) enorm dicke Lack und Füllerschicht, die nur so wegbröselt.

Heisst wieder ganz viel Schleifarbeit!

15.01.2022

Die Verleimung ist durchwegs gut, so kann es jetzt ans Bespannen gehen. Auch hier wird entlang der Markierung 2x mit Eich-Air Klebelack vorgestrichen- jeweils gut abtrocknen lassen.

Das Ceconite für die Oberseite wird an der Endleiste verklebt und über die Torsionsnase gezogen. Das Procedere ist immer das gleiche - noch einmal mit Klebelack vorstreichen, Gewebe auflegen, mit Verdünnung durchreiben. Für die Höhenruder wird ebenfalls in einem Stück gearbeitet, also genügend Breite zuschneiden, damit es sicher für beide Seiten reicht.

Nachtrag zur Verleimung:

Sie ist wie beschrieben durchwegs gut, aber bis auf eine Reparatur durchgängig Kauritverleimt. Da diese Verleimung sich als immer problematischer herausstellt, habe ich jede Verleimung fotografiert, bzw. endoskopiert. Zusätzlich habe ich die Rippen mit dem vollen Gewicht des Ruders belastet. Siehe Bilder unten am Beispiel der Rippe 4

Nun also Bespannen wie oben beschrieben.

20.01.2022

07.03.2022

Genau dasselbe Procedere beim rechten Ruder. Auch hier ist die Verleimung sehr gut - Später im Jahr wenn es wärmer ist wird lackiert.

05.03.2022

Der Rumpf wird abgeschliffen. Auch das wird wieder lange dauern.

Wie man auf dem Bild sieht - auch hier alles Kauritverleimt. (rosa)

Schlechte Reparaturstellen müssen ausgebessert werden. In den Zug kann der Flächenspant (Pfeil) mit Aerodux verleimt werden. Das ist eine Möglichkeit, die später nicht mehr so einfach erledigt werden kann.

15.01.2023

Der Rumpf ist nun nahezu abgeschliffen - besser wurde es nicht. Es muss wohl an einigen Stellen der Rumpf geöffnet werden. Auch auf der Unterseite gibt es alte Reparaturstellen, die schlecht repariert wurden. Ohne Unterleimer geschäftet und teilweise lose. Hier wird die Beplankung auf 2 Feldern ersetzt. Das muss aber vorher mit einem Prüfer besprochen werden.

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